Proteste gegen Großen Zapfenstreich

Großer ZapfenstreichIn Dresden findet seit gestern eine Kommandeurstagung der Bundeswehr im Hotel Westin Bellevue statt. Hintergrund ist die Umstrukturierung der Bundeswehr zu einer Berufsarmee mit dem Fokus auf Auslandseinsätze an Kriegsschauplätzen in der ganzen Welt. Nach den Protesten beim Großen Zapfenstreich vor vier Jahren auf dem Dresdner Altmarkt, fand das militärisch-religiöse Ritual in diesem Jahr fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit an den Elbwiesen statt.
Bei nasskaltem Novemberwetter versammelten sich am gestrigen Abend am Königsufer neben Bundesverteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) zahlreiche Persönlichkeiten aus Militär und Politik und verfolgten einen Großen Zapfenstreich. Anlass für das höchste Zeremoniell der Bundeswehr vor historischer Altstadtkulisse waren „20 Jahre Armee der Einheit“. Während der gespenstischen Zeremonie versuchten etliche Menschen die Veranstaltung mit Sprechchören und Trillerpfeifen zu stören. Minutenlang ertönte aus einem Lautsprecherwagen die Rede von Joseph Goebbels im Berliner Sportpalast vom 18. Februar 1943. Inzwischen hat die Polizei gegen einige der Störerinnen und Störer Ermittlungen aufgenommen.

Auf der Brühlschen Terrasse am gegenüberliegenden Elbufer protestierten zeitgleich etwa 100 vor allem junge Menschen gegen die Glorifizierung der Bundeswehr in der Öffentlichkeit. Dabei versuchten die anfangs nur wenigen uniformierten Einsatzkräfte der Polizei immer wieder mit Gewalt die Jugendlichen am friedlichen Protestieren zu hindern. Auf Trillerpfeifen und lautstarke Sprechchöre reagierten einige der Beamten abseits der Fernsehkameras immer wieder mit Faustschlägen und Tritten. Schon im Vorfeld auf das Live im Fernsehen übertragene Ereignis hatten mehrere Hundertschaften der Polizei die Gegend weiträumig abgesperrt und willkürlich zahlreiche Platzverweise erteilt. Das Königsufer war zu diesem Zeitpunkt bereits für Stunden zum militärischen Sperrgebiet erklärt worden und wurde von bewaffneten Feldjägern kontrolliert.

Die Anlage unterhalb des Sächsischen Finanzministeriums war nach den Plänen des Dresdner NSDAP-Bürgermeister Ernst Zörner 1936 zu einem „Forum für nationale Kundgebungen“, einem thingstättenartigem Freilufttheater, umgebaut worden. Auch im Nationalsozialismus war das Königsufer immer wieder Schauplatz von Veranstaltungen der Wehrmacht. Der Große Zapfenstreich in seiner heutigen Form entstand in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, nachdem der damalige preußische König Friedrich Wilhelm III. die Ausweitung des Zapfenstreiches um das Präsentieren des Gewehrs, einem stillen Gebet und des Blasens eines Militärliedes erweitert hatte.

Am ersten Tag der Kommandeurstagung im Hotel Westin Bellevue am Elbufer hatte zuvor Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Eckpunkte einer tiefgreifenden Reform der Bundeswehr vorgestellt. Darin wurde nach 56 Jahren die Aussetzung der Wehrpflicht für den 1. Juli 2011 und ein Umbau der Bundeswehr zu einer Einsatzarmee beschlossen.

Quelle: Alternative Dresden News

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