Limbach-Oberfrohna: Wenn es die Punks nicht geben würde…

Limbach-OberfrohnaNachdem vor gut einer Woche das Vereinsgebäude des alternativen Vereins „Soziale und Politische Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna“ von Neonazis mit Brandsätzen angegriffen wurde, beteiligten sich gestern 160 Menschen in Limbach-Oberfrohna an einer Demo die sich gegen neonazistische Gewalt wendete.

Die letzte Demo in Limbach-Oberfrohna liegt ein knappes dreiviertel Jahr zurück, damals ging man auch gegen rechte Gewalt auf die Straße. Der Verein „Soziale und Politische Bildungsvereinigung“ wurde vor einigen Jahren als Antwort auf ständig steigende neonazistische Aktivitäten gegründet.

Nach dem Brandanschlag erfuhr man viel in den regionalen und überregionalen Medien über die Verhältnisse vor Ort. Dass diese Zustände nicht erst seit gestern herrschen kommt jetzt manchmal zur Sprache, zu groß ist das Erschrecken über deutsche Normalität.

Limbach-Oberfrohna ist eine normale Stadt, nicht besonders auffällig tönte es noch vor kurzen von der Polizei. Besondere Auffälligkeiten in Bezug auf eine Rechte Szene gäbe es nicht. Die ausufernde Gewalt gegen alternative und linke Jugendliche wurden als alltägliche unpolitische Schlägereien von den Verantwortlichen in der Stadt dargestellt. Laut Oberbürgermeister müssen die Jugendlichen nur mal miteinander reden.

Was ist hier eigentlich los?

Wer wirklich in Limbach-Oberfrohna unerwünscht ist bekam man schon auf dem Weg zum Versammlungsplatz mit. Unsinnige Polizeikontrollen und Auflagen für Demonstrationsteilnehmer. Unweit entfernt durften in aller Ruhe Neonazis die verhassten „Linken“ beobachten – unbehelligt von der Polizei. Auf Nachfrage bei einem Beamten warum das so ist, kam kurz und knapp die Antwort „Es seien doch normale Jugendliche“ und provozieren würden sie doch auch nicht.

Zu den TeilnehmernInnen der Demonstration gehörten auch der Bundestagsabgeordnete Jörn Wunderlich (DIE LINKE) aus Limbach-O. und die sächsische Landtagsabgeordnete Freya Klinger (DIE LINKE). Eine weitere Solidaritätsbekundung gab es vom Förderverein Tolerantes Sachsen. Der Förderverein unterstützt diverse Initiativen und andere Vereine, die sich gegen Rassismus und Nationalismus engagieren. Das 10. Landestreffen fand aufgrund der derzeitigen Situation in Limbach-Oberfrohna statt. Einige TeilnehmerInnen nahmen die Gelegenheit war und beteiligten sich am Samstag an der Demonstration.

Limbach-Oberfrohna

Es ist erschütternd was man aus Gesprächen mit DemoteilnehmerInnen erfuhr. Viele die wir ansprachen kamen auf unterschiedliche Art und Weise mit neonazistischer Gewalt in Kontakt. Der Bundestagsabgeordnete Jörn Wunderlich erzählte, weil sich sein Sohn in der Punkszene bewege gab es schon einen Angriff auf sein Haus. Es wurden Fensterscheiben eingeschlagen, sein Sohn wurde aufgefordert aus dem Haus zu kommen. An diesem Abend sollen sich etwa 30 Neonazis, teilweise mit Eisenstangen bewaffnet, in der näheren Umgebung aufgehalten haben. Bei der Vernehmung eines Täters, gab dieser freimütig an „Wir sind losgezogen um Zecken zu klatschen“.

Ein Mitarbeiter vom Kulturbüro Sachsen berichtete von einem Erlebnis am Abend vor der Demo. Er war mit einigen TeilnehmernInnen der Podiumsdiskussion im Vorfeld des 10. Landestreffens noch in der Stadt unterwegs. Vor einer Kneipe provozierten mehrere Neonazis mit „Sieg Heil“-Rufen und dem Zeigens des „Hitlergrußes“. Die informierte Polizei unternahm nichts, die Beamten wollten nichts gesehen haben.

Während der Zwischenkundgebung am beschädigten Vereinsgebäude fand die Landtagsabgeordnete Freya Klinger deutliche Worte zur Situation in der Stadt. Sie mahnte was noch passieren müsse bevor die Verantwortlichen in der Stadt aber auch die Bürger endlich aufwachen.

Limbach-Oberfrohna

Ohne Punks und andere, gäbe es auch keine Nazis. So scheint es hier die weit verbreitete Meinung unter den „normalen Bürgern“ zu sein. Auf die Frage „Was er von der Situation halte“, antworte einer der wenigen Zaungäste „Das Gesindel mit den bunten Haaren ist doch selber schuld“.

…Wenn es Punks und die Bildungsvereinigung nicht geben würde, wäre Limbach-Oberfrohna schon längst „National Befreite Zone“!

Quelle: Elsterpiraten Blog

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1 Antwort auf „Limbach-Oberfrohna: Wenn es die Punks nicht geben würde…“


  1. 1 ebook news 11. Dezember 2010 um 7:34 Uhr

    „Nach dem Brandanschlag erfuhr man viel in den regionalen und überregionalen Medien über die Verhältnisse vor Ort.“

    das kann ich jetzt nicht bestätigen. bei uns in frankfurt bekam ich davon nichts mit. es ist wirklich bedauerlich, dass in der heutigen zeit menschen noch so etwas machen.

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