Gedenken an Jorge Gomondai

Am 6. April 1991 verstarb der Mosambikaner Jorge Gomondai in einem Dresdener Krankenhaus. 7 Tage zuvor, in der Nacht zum Ostersonntag, fuhr er in einer Straßenbahn durch die Dresdner Neustadt. Es war 4 Uhr Nachts als eine Gruppe von ca. 14 erkennbar rechtsgerichteten Jugendlichen den gleichen Wagen betrat. Sofort nach dem Einsteigen wurde Gomondai von einigen Jugendlichen aus der Gruppe rassistisch beleidigt und angegriffen. Etwa 150 Meter nach Verlassen der Haltestelle bemerkte die Straßenbahnfahrerin, dass während der Fahrt im letzten Wagen eine Tür geöffnet wurde. Sie bremste die Bahn ab, stieg aus und fand Jorge Gomondai neben den Gleisen blutend am Boden liegen. Ein zufällig vorbei fahrendes Taxi hielt ebenfalls am Tatort an. Während der Taxifahrer die Polizei verständigte, leisteten die beiden Insassinnen Erste Hilfe. Jorge Gomondai wurde sofort in die Medizinische Akademie Dresden gebracht und mehrmals operiert. Der damals 28-jährige wachte jedoch nicht mehr aus der Bewusstlosigkeit auf.

Gestern, am 6. April 2010 nahmen über 300 Teilnehmer an einer Demonstration zum Gedenken an den von Nazis ermordeten Jorge Gomondai teil. Im Anschluss an die offizielle Gedenkkundgebung am Jorge-Gomondai-Platz, bei welcher Marita Schieferdecker-Adolph – Ausländerbeauftragte von Dresden, Marianne Thum – Opferberatung der RAA, Emiliano Chaimite – Afropa e.V. und Victor Vincze – Referent Ausländischer Studierender (übernahm gleichzeitig die Moderation) sprachen, rief der AK Antifa im libertären Netzwerk Dresden zu einer antirassistischen Demo auf.
Kurz nach 18 Uhr, begann die Demonstration unter dem Titel „Von Jorge zu Marwa…? Rassismus ist immer noch tödlich! Jetzt ist Schluss!“ mit reger Beteiligung der Kundgebungsteilnehmer_innen. Es waren neben vielen Antifas und alternativen Jugendlichen auch zivilgesellschaftliche Akteure und Menschen mit Migrationshintergrund anwesend. Es wehten viele unterschiedliche Fahnen, von Anarcho- über Antifa- bis hin zu Friedenstaubenfahnen der Linken.

Die Demo zog, begleitet von einem Lauti, über die Carolabrücke an der Synagoge vorbei durch die Innenstadt und ein angrenzendes Wohngebiet zum Landgericht. Im Verlauf der Demo wurden immer wieder Passant_innen und Bewohner_innen der angrenzenden Häuser über den Lauti zu der Thematik informiert. Während der eineinhalbstündigen Demo gab eine Vielzahl von Sprechchören, welche von der politischen und motivierenden Musikauswahl unterstützt wurde.

Am Abschlusskundgebungsort vor dem Landgericht wurden zwei Redebeiträge verlesen. Die Themenschwerpunkte waren neben Jorge, Nazistrukturen in Dresden, Alltagsrassismus, die menschenunwürdige Asylgesetzgebung in Deutschland und der Aufruf sich gegen Nazis zu engagieren auch im Alltag und sich gemeinsam diesen in den Weg zu stellen. Am Ende der Veranstaltung wurde im Gedenken an den rassistischen Mord an Marwa el Sherbini 2009 Blumen auf den Treppen die Landgerichtes niedergelegt. Sie wurde, nachdem sie eine Aussage als Zeugin gemacht hatte, von Alex W. auf Grund seines fremdenfeindlich motivierten Hasses auf Muslime im Gerichtssaal erstochen.

Auch die Terminankündigungen am Ende durften nicht fehlen, in nächster Zeit gibt es viel zu tun: Heute 07.04. antifaschistische Demo in Brandis; Ausstellung in der SLUB Dresden: Auf gepackten Koffern – Leben in der Abschiebehaft Eröffnungsveranstaltung am 12. April, 19:30 Uhr; Libertäre Tage vom 01.-08. Mai 2010.

Alles im Allem war es eine gelungene Demonstration mit vielen verschiedenen Menschen die diesen wichtigen Tag auch nach 19 Jahren nicht vergessen haben. Die Polizei war entspannt und die Nazis haben sich auch nicht blicken lassen (in der Vergangenheit sah das auch schon anders aus).

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